Felmer Bote Online

7. Juni 2009


FESTANSPRACHE 40 JAHRE SIEDLERGEMEINSCHAFT FELM
gehalten von Walter Selle 
am Samstag, dem 6. Juni um 18.00 Uhr in der Dorfstraße 56

Sehr geehrter Herr Vorsitzender
Liebe Siedlerfreundinnen,
Liebe Siedlerfreunde,
Sehr verehrte Gäste,

40 Jahre! von 1969 bis 2009 gibt es bei uns in Felm eine organisierte Siedlergemeinschaft mit inzwischen 129 Mitgliedern. Betrachtet man jedoch die Wurzeln der Siedlergemeinschaft Felm, nämlich die jeweiligen Siedlungen mit ihren speziellen Interessengemeinschaften, so könnte man heute sogar das 50 jährige Jubiläum feiern. Denn bereits 1959 bildeten die Siedler der ersten Felmer Nachkriegssiedlung „Am Wohld“ eine Interessengemeinschaft, um mit Eigenleistungen und in Nachbarschaftshilfe ihre Häuser zu bauen; gleichzeitig haben sie die Versorgung und Entsorgung (Infrastruktur) der Siedlung zusammen mit der Gemeinde zu realisiert. 

Mitte der 60er Jahre bildeten dann die Bauherren der nächsten in der Gemeinde Felm geplanten Siedlung „Mühlenring“ eine Interessengemeinschaft. Die Organisatoren waren Franz Kiel und Eckhard Harting, beide waren MAK-Arbeitskollegen unter diesen fanden sie noch weitere Siedler. Mit einem günstigen Finanzierungsmodell des Landes für Kinderreiche fanden sich schließlich 39 Bauherren. Da nicht alle 39 Siedler als kinderreich galten, gab es noch einige Probleme von der Interessengemeinschaft mit dem Land, der Gemeinde und den Behörden zu lösen. 

Es folgten dann gemeinsame Materialbeschaffungen sowie Nachbarschaftshilfen bis hin zur Organisation der Erschliessungsmaßnahmen, auch das wurde anschließend gemeinsam erledigt. Aber alles konnte nur mit Unterstützung der Siedlerfamilien gelingen, die bereits während dieser Zeit zu einer Solidargemeinschaft zusammen gewachsen waren.

Eine Interessen- und Solidargemeinschaft gab es auch weiterhin in der Siedlung „Am Wohld“. Beide Siedlungen halfen sich in Kooperation mit der Gemeinde auch gegenseitig; Beispielsweise bei der Versorgung und Entsorgung mit Wasser.

Eine kurze historische Betrachtung:

Derartige Interessengemeinschaften, gebildet von Siedlern aus Kleinsiedlungen, gab es nicht nur in Felm, sondern es war ein allgemeiner landesweiter Trend.

Nach dem Krieg waren unter den Erfahrungen erlebter Not und Nahrungsmangel Siedlergemeinschaften entstanden. Unter den Siedlern gab es auch viele Vertriebene die wieder ein Dach über den Kopf benötigten. Hauptaufgabe war die Organisation von Selbstversorgung und gegenseitiger Hilfe; Später dann die bereits erwähnte Organisationsarbeit bei der Erschließung und Bau von Kleinsiedlungen. Bis heute pflegen diese Siedler, ob es Einheimische oder Vertriebene waren, ein mehr oder minder stark ausgeprägtes Gemeinschaftsleben.

In unserer Gemeinde Felm haben sich dann im Frühjahr 1969 Siedlerfreunde der Siedlung „Mühlenring“ entschlossen Verbindung mit dem „Deutschen Siedlerbund“ aufzunehmen. Diese Siedlerfreunde gründeten am 7 März 1969 die „Siedlergemeinschaft Felm“. Am 1. April wurden 21 Siedlerfamilien Mitglied im Deutschen Siedlerbund. Der Dachverband hatte sich als „politische Lobby“ für die Interessen der Siedler auf Bundes- und Landesebene bereits einen Namen gemacht und bot den Siedlern weitere vorteilhafte Dienstleistungen an, wie Rechtsberatung, günstige Versicherungstarife, Einkaufsrabatte. In der monatlichen Ausgabe der Siedlerzeitung gab es allerhand Ratschläge und Informationen rund um Haus und Garten zu lesen. Im laufe der Jahre haben immer mehr Familien die Vorteile einer Mitgliedschaft erkannt.

In Felm sind mit der Siedlung „Holtkoppel“ in den 70er Jahren; und mit den Siedlungen „Bökeneck I bis III bis heute, weitere Siedlungen entstanden. Siedlungen mit individuellen Einfamilienhäusern und hauptsächlich jungen Siedlerfamilien. Eine neue Generation mit anders gelagerten Interessen, aufgewachsen unter besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, als ihre Eltern und Großeltern. 

Doch die Siedlergemeinschaft Felm bemüht sich inzwischen auch diese Neusiedler als Mitglieder zu gewinnen. Die ursprüngliche Siedlergemeinschaft ist inzwischen über den Mühlenring hinausgewachsen und hat heute, wie bereits erwähnt, 129 Mitgliederfamilien in allen Felmer Straßen und auch im Ortsteil Felmerholz.

Um alles Wesentliche anzusprechen, was sich innerhalb von 40 Jahren im Vereinsleben ereignet hat, würde das den zeitlichen Rahmen meines Vortrags sprengen. 
Deshalb gestattet mir hier zunächst einen Hinweis auf die Chronik der Gemeinde Felm aus dem Jahre 2003; in dieser etwas anderen „Chronik in Lebensläufen“ kann man sehr schön nachlesen was die Siedler:
- Paul Schmidt Siedlung „Am Wohld“.
- Anni und Eckhard Harting, Franz Kiel Siedlung „Mühlenring“.
- Sylvia-Luise Wöhlk , ebenfalls Siedlung „Mühlenring“
- Roswitha und Dieter Zenker, Siedlung „Holtkoppel.
- Herman-Josef Thoben, Siedlung „Bökeneck I“.
über das Gemeinschaftsleben, speziell in ihrer Felmer Siedlung, zu erzählen haben. Sie berichten auch über Aktivitäten und Nachbarschaftshilfe der Siedlergemeinschaft in ihren Siedlungen.
Übrigens, falls jemand das nachlesen möchte, aber keine Chronik besitzt, kann frau/mann diese noch bei unserem Bürgermeister Friedrich Suhr erwerben.

Nun möchte ich in einigen Stichpunkten die vielfältigen Aktivitäten und Angebote, welche die Siedlergemeinschaft zu bieten hat und auch der Dorfgemeinschaft anbietet aufzählen: 
- Verleih verschiedener Geräte für Haus und Garten gegen eine geringe Leihgebühr.
- Verleih von Zelten, Tischen und Bänken für ca. 100 Personen.
- Aktive Teilnahme am jährlichen Dorfputz in der Gemeinde.
- Aktive Teilnahme an dem jährlichen Dorffest in der Gemeinde

Vergessen werden sollten auch nicht, dass es immer wieder Siedler gab die sich ehrenamtlich in der Gemeindevertretung aber auch als Aktivisten und Funktionäre in den Vereinen und Verbänden der Gemeinde engagiert haben. 
So ergaben sich auch zwangläufig bei der Lösung vieler Gemeindeprobleme: wie Wasserversorgung, Ortsentwässerung, Straßenbau, Bau von Rad- und Gehwegen, Gestaltung von Gebührensatzungen bis hin zum Erhalt und Unterhalt von Sportanlagen und Schule, immer Verknüpfungspunkte mit den Mitgliedern oder dem jeweiligen Vorstand der Siedlergemeinschaft Felm. 

Aus eigener Erfahrung als langjähriger Gemeindevertreter und auch als ehemaliger Bürgermeister war die Zusammenarbeit mit der Siedlergemeinschaft immer geprägt von Kooperationsbereitschaft, von Vertrauen, Zuverlässigkeit und gegenseitigem Respekt.

In diesem Zusammenhang möchte ich nicht unerwähnt lassen, das es hauptsächlich die in Rente befindliche Mitglieder der Siedlergemeinschaft waren, die sich mit praktischen Arbeiten zum Wohle der Gemeinde ehrenamtlich engagiert haben, unter anderem bei der Erstellung von hölzernen Brücken für unsere Wanderwege, bei der Erstellung von Bekanntmachungs- und Infotafeln. So fand auch der Gemeindearbeiter oftmals Unterstützung durch Mitglieder der Siedlergemeinschaft.

Ehrenamtliche Einsätze für die Belange der Gemeinde waren den Mitgliedern der Siedlergemeinschaft immer selbstverständlich! 

40 Jahre Siedlergemeinschaft Felm!

von links nach rechts:
Adolf Bratke (1.Vors.), Ilse Walter, Klaus Walter, Anni Harting, Sylvia-Luise Wöhlk,Franz Kiel, Helga Kiel,Dieter Hecht,Mia Gosch, Oda Koslow, Heinz Gosch, Paul Schmidt (2.Vors.).

Quelle: Quelle: Eckernförder Zeitung
Foto: Doris Smit

Rückblickend sollte nun nicht unerwähnt bleiben, dass alle Aktivitäten etwas mit Personen oder Persönlichkeiten zu tun hatten die bereit waren die Ärmel hochzukrempeln, sich an der Spitze der Bewegung stellten und den „Laden am Laufen hielten“ um es mal ganz lax auszudrücken. Bestimmte oder besondere Aktivitäten lassen sich daher auch immer mit den Namen der Vorsitzenden in Verbindung bringen, fangen wir an bei: Franz Kiel Planer und Organisator zusammen mit Eckhard Harting der Interessengemeinschaft: Siedlung Mühlenring für kinderreiche Familien. 1969 Mitbegründer der Siedlergemeinschaft Felm, 7 Jahre Vorsitzender und in der Zeit auch Gemeindevertreter. Wichtigste Aufgabe als Gemeindevertreter: Anpassung der Infrastruktur der Gemeinde (Schule, Mehrzweckhalle) allein für die 112 Kinder aus der Mühlenringsiedlung. Heute immer noch aktiv als Rentner in der bereits erwähnten Holzbastel-Gruppe für die Gemeinde.

Eckhard Harting als Vorsitzender Nachfolger von Franz Kiel. Ebenfalls Gemeindevertreter und hier u.a. auch als Finanzausschussvorsitzender. Unvergessen sein Engagement für eine gerechte Veranlagung bei den Abwassergebühren. Verbesserung der Geräteinfrastruktur der Siedler. Initiator, Planer und Konstrukteur des ersten “Partyzeltes“ der Siedler, zu einer Zeit, als man diese noch nicht im Baumarkt von der Stange kaufen konnte. Außerdem engagiert als Handballtrainer im Sportverein. Zudem war er als kenntnisreicher Fachmann für Heizungen, nicht nur unter den Siedlern, anerkannt und gefragt.

Lothar Erdmann als Vorsitzender Nachfolger von Eckhard Harting Ebenfalls Gemeindevertreter und Finanzausschussvorsitzender. Lothar Erdmann aktivierte das Gemeinschaftsleben indem er Busreisen, auch mehrtägige, organisierte. Zu erwähnen sind hier besonders die Reisen gleich nach der Wende in die neuen Bundesländer: Berlin, Rügen, Waren an der Müritz und in den Spreewald. Auch die Fahrten ins Allertal und die Bosseltour nach Ostfriesland. Besonders in Erinnerung ist den Teilnehmern bestimmt noch die mehrtägige Fahrt nach Südtirol und die Gastfreundschaft genossen beim Gastwirtehepaar: Fuchsbruggerin Karolina und dem Steinkassner Benjamin in Rein in Taufers. (Mit Ralf Baumgärtel gibt es heute wieder einen würdigen Nachfolger als Busreisenorganisator).

Lothar Erdmann war aber auch der Initiator zur Öffnung und Aufnahme von Mitgliedern aus dem gesamten Gemeindegebiet.

So öffnete sich auch die Interessengemeinschaft Siedlung „Am Wohld“ die sich bis heute immer noch von Paul Schmidt vertreten fühlt. Somit war es eigentlich selbstverständlich, nach dem Wegzug von Lothar Erdmann aus der Gemeinde, dass Paul Schmidt der geborene Nachfolger für den Vorsitz war. Auf Kreisverbandsebene organisierte er die Teilnahme von Felmer Siedlungen bei den Kreiswettbewerben. Von insgesamt 34 gemeldeten Siedlungen im Kreis RD-ECK erreichte die Siedlung „Am Wohld“ 1998 und 1999 den 2. Platz. Im Jahr 2000 erreichte die Siedlung „Bökeneck“ den 3. Platz. Paul Schmidt ein Siedler der ersten Generation war auch stets bemüht Arbeitsteilung und Nachbarschaftshilfe zu Organisieren. Hier ist besonders sein Organisations- und Kalkulationstalent bei den jährlichen Sammelbestellungen von Heizöl zu erwähnen. Paul Schmidt war auch stets bemüht Mitglieder aus der jüngeren Generation für die Vorstandsarbeit zu gewinnen. Leider gelang es nur kurzzeitig mit Thomas Huuk einen Vorsitzenden aus einer jüngeren Generation zu finden, welcher auch gleichzeitig Gemeindevertreter war. Leider war es nicht absehbar, dass dieser aus persönlichen Gründen plötzlich aus der Gemeinde wegzog. Wie im Leben und in der Politik läuft alles in Wellenform ab. Nun kam auch die Siedlergemeinschaft in ein Wellental:

Der Posten des 1. und leider auch des 2. Vorsitzenden waren plötzlich vakant. Nun war wieder Paul Schmidt gefragt trotz fortgeschrittenen Alters die Situation zu retten. Es bestand nämlich die Gefahr einer Auflösung der Siedlergemeinschaft einschließlich des Verlustes der im laufe der Jahre angesammelten Rücklage. Was nun folgte war der Auftritt von Andrea Rode, Mühlenringsiedlerin der ersten Stunde, bekannt für ihre deutliche Sprache und drastische Ausdrucksweise, die mit einer eindrucksvollen Rede letztendlich dazu beitrug, dass sich Paul Schmidt wenigstens bereit erklärte den Posten des 2. Vorsitzenden zu übernehmen. 

Adolf Bratke ein alter langjähriger Felmer Einwohner und bekannt als ständiger aktiver Siedler, erklärte sich dann bereit als 1. Vorsitzender die Siedlergemeinschaft zusammen mit Paul Schmidt verantwortlich zu leiten. Adolf Bratke ist in der Gemeinde bekannt als großes Organisationstalent. Abschließend möchte ich noch die Mitglieder erwähnen die nicht wie die Vorstandsmitglieder im Lichte der Öffentlichkeit wirken, sondern seit Jahren fleißig und zuverlässig ehrenamtliche Arbeit für ihre Siedlergemeinschaft geleistet haben oder noch leisten, so zu sagen als Kitt der Siedlergemeinschaft. 

Mitglieder, die in den 40 Jahren durch ihre ständigen Kontakte die Basis betreut haben, unsere Siedlerfreunde Ilse und Klaus Walter ! Ilse Walter war unsere langjährige zuverlässige Kassiererin und verteilt noch heute, zusammen mit Klaus die Siedlerzeitung. Klaus Walter ist bis heute Gerätewart. Lange Jahre hat er die Geräte in privaten Räumen gelagert, gepflegt und ausgeliehen. Inzwischen werden auch Geräte in einem von der Gemeinde erworbenen Container gelagert.

Selbstverständlich gehört Klaus Walter als Handwerker auch zum harten Kern der bereits genannten Holzbastelgruppe. Erwähnt werden sollte auch der besondere Humor, der dem Ostpreußen zu Eigen ist.

(hier denke ich oft an Siegfried Lenz und seine Geschichten : „So zärtlich war Suleyken“). Viele Siedler erinnern sich gerne an die Stunden wenn Klaus Walter aus seiner Lose-Blatt-Sammlung humorige Geschichten zum Besten gibt. 

Liebe Siedlerfreundinnen, 
Liebe Siedlerfreunde, 
Zum Schluss oder unterm Strich bleibt mir nur noch festzustellen: 

Die Siedlergemeinschaft hat in Felm aufgrund ihrer langjährigen gesellschaftlichen Aktivitäten bei den Gemeindebürgern einen sehr guten Ruf und ist ein wesentlicher Träger unserer lebendigen und liebenswerten Felmer Dorfgemeinschaft. Möge sie noch lange bestehen. Viel Glück für die Zukunft und Tschüß bis zur Feier des nächsten Jubiläums, indem wir nun gemeinsam das Lied singen: „Wir sind nun alle über 40……“.

Vielen Dank !
Siedlerfreund Walter Selle

Es gilt das gesprochene Wort